Grundnahrungsmittel heu

Warum Heu ein so wichtiges Nahrungsmittel für Pferde ist! Viele Jahrtausende war die Steppe der natürliche Lebensraum von Pferden. In der Steppe bewegten sich die Tiere etwa 16 Stunden am Tag von Büschel zu Busch und fraßen Gras, bzw. ausgedörrtes Gras. In dieser kurzen Betrachtung über den ursprünglichen Alltag lässt sich bereits ohne wissenschaftliche Kenntnisse viel für uns Pferdehalter ablesen. Der Ursprung, die Basis besteht aus stetiger, langsamer Bewegung und ständiger, langsamer Futteraufnahme. Diese Vorraussetzungen haben die Physiologie des Pferdes geprägt.

Was ist drin?

Neben Proteinen, Kalzium, Natrium, Karotin, und Vitamin D liefert Heu vor allem eines: Diese ist für den Stoffwechsel des Pferdes und als gleichmäßige Energiequelle unverzichtbar. Der Rohfaser- und Nährstoffanteil kann nach botanischer Zusammensetzung, Schnittzeitpunkt, Aufwuchsbedingungen und Trocknungsmethode stark variieren. Meist liegt der Rohfaseranteil zwischen 25 und 30 Prozent, der Wassergehalt unter 15 Prozent, die Trockensubstanz dementsprechend bei 85 Prozent und mehr. 

Was brauchen Pferde wirklich?

Pferde benötigen mindestens 1,5 Kilo Heu pro 100 Kilo Körpergewicht täglich. Stärker beanspruchte Pferde brauchen mehr Heu (ein Großpferd im Training mindestens 2,2 Kilo pro 100 Kilo Körpergewicht). Stroh kann Heu als Raufutter maximal zu einem Drittel der Ration ersetzen. Futterexperten raten allerdings dazu, Heu nicht zu rationieren.

Zur Verdauungsphysiologie des Pferdes

Heu war einmal Gras, das natürliche Grundnahrungsmittel der Pferde und ist aus Rohfaser aufgebaut. Es gibt unterschiedliche Rohfasern, die nicht mit Ballaststoffen verwechselt werden dürfen. Im Falle des Heus ist ihr Hauptbestandteil die Cellulose, ein Polysaccharid, eine lange Zuckerkette. Diese wird im Dickdarm von den Symbionten (also den gutartigen Bakterien) zu kurzkettigen Fetten synthetisiert. Die flüchtigen Fette gelangen durch die Darmwand in den Energiestoffwechsel und bilden eine der zwei Energiequellen des Pferdes. Die Verdauungs- und Umsetzungsprozesse sind zwar recht langsam, dafür steht die bereitgestellte Energie von flüchtigen Fettsäuren über viele Stunden zur Verfügung und bietet doppelt soviel Energie wie Glucose. Die zweite, die schnelle Energiegewinnung bezieht das Pferd aus der Glucose, die dem Kraftfutter entstammt. Das Getreide wird im Dünndarm mit Hilfe von Verdauungsenzymen abgebaut und steht dem Organismus schnell zur Verfügung, kann dafür nur in sehr geringen Maße gespeichert werden.

 

An dieser Stelle wird besonders ersichtlich, dass auch jedes Sportpferd ausreichend mit Heu versorgt werden muss. Die Menge von etwa 1,5% des Körpergewichts hat sich dabei als ein guter Orientierungspunkt erwiesen. Einem Pferd, dem keine kontinuierliche Energiequelle für seine Leistung zur Verfügung steht kann logischerweise auch keine kontinuierliche Leistung abverlangt werden. Man kann davon ausgehen, dass die Tiere spüren wenn ihrem Organismus ungenügend Energie zur Verfügung steht um eine verlangte sportliche Leistung zu erbringen. Die Tiere reagieren auf diese körperliche Überforderung häufig mit Hektik. Wenn wir an dieser Stelle wieder auf das natürliche Verhalten blicken, ist Hektik die typische Reaktion eines Fluchttieres in dieser Situation. Man kann bei ausreichender Heufütterung häufig bessere Nerven und ein allgemeines Wohlsein beobachten.

 

Der im Verhältnis zum Dickdarm relativ kleine Dünndarm kann bei Gabe von zu großen Mengen Kraftfutter in seiner enzymatischen Form überlastet werden. Nachfolgend führt die dadurch überschießende Fermentation im Dickdarm zu ungeheuren Mengen von Gas (Bauchschmerzen) und Milchsäure, was wiederum den Tod der Dickdarmmikroben bewirkt.

 

Es ist daher darauf zu achten, dass Krippenfutter nicht in zu großer Menge zu geben! Der Pferdemagen ist klein und auf langsame Futteraufnahme eingestellt. Man muss einfach nur wissen, dass man den Magen überlasten kann und dass dies Folgen auf die weitere Verdauung hat. Es ist sehr zu empfehlen die Heufütterung mindestens eine Stunde vor dem Krippenfutter zu organisieren. Weil: Während 60 Minuten Kauzeit beim Heufressen produziert das Pferd etwa 5kg Speichel, in den 10 Minuten Kraftfutterfresszeit nur etwa 1kg. Eine ungenügende Speichelproduktion bedingt eine Art Kraftfutterklumpen im Magen, der dementsprechend schlecht von den Verdauungsenzymen angegriffen werden kann. Die Folge ist Übersäuerung und eine Gefahr von Magengeschwüren. Im nachfolgenden Dünndarm und Dickdarm sind dann ebenfalls die Funktionen beeinträchtigt, so dass vermehrt Koliken auftreten können.

 

Ein Pferd, das durch Verdauungsbeschwerden an Bauchschmerzen leidet, lässt sich logischerweise nicht gut reiten. Nur eine entspannte Bauchmuskulatur, lässt eine entspannte Rückenmuskulatur zu, lässt die Hinterhand elastisch schwingen, lässt das Pferd locker, zufrieden kauend, in sich gelassen, souverän und kraftvoll, bei freier Atmung auf beiden Händen gleich gut arbeiten...

 

Während der Heufütterung ist zusätzlich die höchste Trinkwasseraufnahme beim Pferd zu beobachten. Wir wissen, dass ausreichend Wasser für jeden Organismus wichtig ist.

 

Ein Heunetz bietet eine gute Möglichkeit dem Pferd permanent Heu darreichen zu können. Das Fressen wird verlangsamt, so dass die tägliche Ration nicht überschritten wird. Auf diese Weise können wir uns dem natürlichen Fressverhalten unserer Pferde wieder annähern.

  

Quelle: Cheval Ami